Früher meinten wir mit „Langlebigkeit“ in der Regel, dass ein Mensch länger lebt. In der Medizin rückt heute jedoch zunehmend eine andere Bedeutung in den Mittelpunkt: die gesunde Lebensspanne, also wie viele Jahre ein Mensch ohne schwere Krankheiten und ohne deutliche Funktionseinschränkungen gesund leben kann – und nicht nur, wie lange er insgesamt lebt.

  Angenommen, ein Mensch wird 90 Jahre alt, ist aber ab dem 70. Lebensjahr dauerhaft von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskelabbau, kognitivem Abbau und Bewegungseinschränkungen betroffen. Im Vergleich zu einem Menschen, der bis weit über 80 in guter körperlicher Verfassung bleibt, unterscheidet sich seine Lebensqualität erheblich.

  Vor diesem Hintergrund hat sich die Langlebigkeitsmedizin allmählich entwickelt. Sie verbindet Präventivmedizin, Geriatrie, kardiovaskuläre Medizin, Endokrinologie, Ernährungsmedizin, Sportmedizin, Genetik und weitere Fachgebiete. Durch Vorsorgeuntersuchungen, Krankheitsrisikobewertung und langfristiges Gesundheitsmanagement soll das Auftreten von Krankheiten und Funktionsverlusten so weit wie möglich hinausgezögert werden.

  Wir können das Altern des Körpers noch nicht aufhalten, und es gibt auch keine Behandlung, die einem gesunden Menschen plötzlich mehrere Jahrzehnte zusätzliche Lebenszeit schenkt. Aber die Langlebigkeitsmedizin kann Gesundheitsrisiken frühzeitig erkennen, chronische Krankheiten kontrollieren und körperliche Funktionen verbessern und so die gesunde Lebensspanne verlängern.

1. Langlebigkeitsmedizin und Anti-Aging-Angebote

   In den letzten Jahren haben viele große Krankenhäuser in China begonnen, Anti-Aging-Sprechstunden oder multidisziplinäre Sprechstunden für gesundes Altern einzurichten. Darüber hinaus sind zahlreiche spezialisierte Longevity-Kliniken entstanden.

   Beispielsweise hat das Xiangya-Krankenhaus der Central South University eine multidisziplinäre Anti-Aging-Sprechstunde eröffnet, an der Kardiologie, Endokrinologie, Dermatologie, Gynäkologie, Geriatrie, traditionelle chinesische Medizin und das Gesundheitsmanagementzentrum gemeinsam beteiligt sind.

   Ein weiteres Beispiel: Das Boao Yiling Life Care Center, das Boao Shulan Hospital und viele weitere Krankenhäuser in Hainan haben Longevity-Kliniken gegründet. Sie nutzen die besonderen medizinpolitischen Regelungen Hainans und bieten eine Reihe medizinischer Spitzentechnologien an – von Gentests bis hin zu Stammzelltherapien.

   Einige Krankenhäuser integrieren moderne Gesundheitschecks und TCM-Gesundheitspflege in dasselbe Versorgungssystem und bieten Patienten Untersuchungen zu Gefäßen, Stoffwechsel, Knochen und Muskeln, Schlaf sowie weiteren alterungsbezogenen Aspekten an.

2. Umfassender Gesundheitscheck und Bewertung von Krankheitsrisiken

   Die Langlebigkeitsmedizin beginnt in der Regel mit einer vollständigen körperlichen Beurteilung, einschließlich Vorsorgeuntersuchung und Krankheitsbewertung.

   Ein äußerlich sehr gesund wirkender Mensch kann bereits Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Insulinresistenz, Fettleber, Arteriosklerose, verringerte Knochendichte oder Muskelabbau entwickelt haben – nur zeigen sich diese Symptome noch nicht deutlich.

   Longevity-Kliniken legen je nach Alter, Geschlecht, familiärer Krankengeschichte und persönlichem Gesundheitszustand unterschiedliche Untersuchungen fest. Dazu gehören zum Beispiel die Prüfung und Bewertung folgender Bereiche:

  1. Blutdruck, Blutfette und Blutzucker
  2. Leberfunktion, Nierenfunktion und Lungenfunktion
  3. Insulin und weitere Stoffwechselwerte
  4. Entzündungsbezogene Marker und Hormonspiegel
  5. Blutgefäße, Elektrokardiogramm und Herzfunktion
  6. CT, MRT und Ultraschall
  7. Knochendichte, Körperzusammensetzung und Muskelmasse
  8. Verschiedene Tumormarker und Krebsvorsorgeuntersuchungen
  9. Kognitive Funktion, Schlafqualität und mehr

   Nach Abschluss der Untersuchungen beurteilen die Ärzte anhand der Ergebnisse und der persönlichen Risikofaktoren, welche gesundheitlichen Probleme in Zukunft wahrscheinlicher auftreten könnten. Ein 40-jähriger Mensch hat beispielsweise noch keinen Diabetes, aber bereits bauchbetonte Fettleibigkeit, Fettleber, Fettstoffwechselstörungen und Insulinresistenz – dann ist das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Zukunft erhöht.

3. Biologisches Alter und Messung von Alterungsindikatoren

   Das biologische Alter ist ein Konzept, das in der Langlebigkeitsmedizin in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Es unterscheidet sich vom tatsächlichen Alter laut Ausweisdokumenten.

   Zwei Menschen, die beide 50 Jahre alt sind, können körperlich völlig unterschiedlich sein. Der eine treibt regelmäßig Sport, hat keine chronischen Krankheiten und eine sehr gute Herz-Lungen-Funktion; der andere kann bereits Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Fettleber entwickelt haben.

   Daher nutzen medizinische Forscher zunehmend verschiedene biologische Marker des Körpers, um den Grad der Alterung abzuschätzen.

   Zu den derzeit erforschten „Alterungsuhren“ gehören beispielsweise die DNA-Methylierungsuhr, die Proteomik-Uhr, die Metabolomik-Uhr sowie Altersmodelle, die auf mehreren Blut- und Körperfunktionswerten basieren.

   Allerdings gibt es für das biologische Alter noch keine einheitlichen klinischen Standards wie für Blutdruck oder Blutzucker. Je nach Testmethode kann dieselbe Person unterschiedliche Ergebnisse für das biologische Alter erhalten.

4. Management der kardiovaskulären und metabolischen Gesundheit

   Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen gehören heute zu den häufigen chronischen Krankheiten. Sie beeinträchtigen die langfristige Gesundheit eines Menschen erheblich und stehen deshalb ebenfalls im Fokus der Langlebigkeitsmedizin.

   Viele Krankheiten verlaufen über lange Zeit. So kann Arteriosklerose bereits Jahrzehnte vor einem Herzinfarkt beginnen, und eine Insulinresistenz kann viele Jahre bestehen, bevor sie sich zu Typ-2-Diabetes entwickelt.

   In der Langlebigkeitsmedizin können Ärzte anhand von Blutdruck, Blutfetten, Blutzucker, Körperfett, Taillenumfang, Leberfett, Herz-Lungen-Leistungsfähigkeit und weiteren Werten eine Risikobewertung vornehmen. Anschließend werden je nach Lebens- und Ernährungsgewohnheiten Körpergewicht, Ernährung, Bewegung, Blutfette und Blutzucker gesteuert.

   Wenn beispielsweise ein 40-Jähriger bereits Fettleber, bauchbetonte Fettleibigkeit und Insulinresistenz hat, kann das Risiko für künftige Diabetes- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in diesem Stadium durch eine Verbesserung von Gewicht, Ernährung und Bewegungsgewohnheiten deutlich gesenkt werden.

5. Krebsrisikobewertung und Früherkennung

   Krebsvorsorgeuntersuchungen sind ebenfalls häufig Teil langlebigkeitsmedizinischer Angebote. Ärzte beurteilen anhand von Alter, Geschlecht, Raucheranamnese, familiärer Vorgeschichte und weiteren Risikofaktoren, welche Krebsfrüherkennungsuntersuchungen erforderlich sind. Zu den häufigen Untersuchungen gehören:

  1. Niedrigdosis-Computertomographie der Lunge
  2. Brustkrebs-Früherkennung
  3. Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung
  4. Darmkrebs-Früherkennung
  5. Magenspiegelung und Darmspiegelung
  6. Prostatauntersuchungen
  7. Genetische Tests für bestimmte Krebsarten

  Die Krebsfrüherkennung und die individuelle Risikobewertung sind sehr unterschiedlich; verschiedene Menschen benötigen unterschiedliche Früherkennungsuntersuchungen. Ein 30-jähriger Nichtraucher muss beispielsweise auf ganz andere Erkrankungen achten als ein 65-jähriger Mann, der langjährig raucht.

6. Bewertung von Muskeln, Knochen und Körperfunktionen

  Die Langlebigkeitsmedizin befasst sich auch mit der Frage, ob ein Mensch künftig weiterhin selbstständig leben kann; dies hängt eng mit unserer Lebensqualität zusammen.

  Im mittleren und höheren Lebensalter verändern sich Muskelmasse, Muskelkraft, Knochendichte, Gleichgewichtsfähigkeit und kardiopulmonale Leistungsfähigkeit allmählich. Beispielsweise erhöhen schwere Sarkopenie, Osteoporose oder ein nachlassendes Gleichgewicht das Risiko für Stürze und Knochenbrüche erheblich.

  Chinesische Langlebigkeitskliniken haben bereits damit begonnen, systematisch ein umfassendes geriatrisches Assessment durchzuführen. Dazu gehören: körperliche Funktionsfähigkeit, Ernährungszustand, kognitive Fähigkeiten, Sarkopenie, Gebrechlichkeit, Schluckfunktion, Sturzrisiko, psychische Verfassung und Polypharmazie.

  Wenn beispielsweise ein 75-jähriger Mensch normale Blutdruck- und Blutzuckerwerte hat, aber bereits einen deutlichen Muskelabbau, eine verminderte Gehgeschwindigkeit und ein verschlechtertes Gleichgewicht aufweist, sind die Verbesserung der Muskelkraft und die Senkung des Sturzrisikos für seine Lebensqualität in den kommenden Jahren sehr wichtig.

7. Ernährungs-, Bewegungs-, Schlaf- und Gewichtsmanagement

  Eine vielleicht überraschende Tatsache: Viele Maßnahmen zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne stammen tatsächlich aus dem Alltag. Zum Beispiel:

  1. Individueller Trainingsplan
  2. Muskelkrafttraining
  3. Herz-Kreislauf-Training
  4. Gewichts- und Körperfettmanagement
  5. Empfehlungen zur Protein- und Nährstoffzufuhr
  6. Schlafmanagement
  7. Raucherentwöhnung und Begrenzung des Alkoholkonsums
  8. Management von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker usw.

  Bewegung, Schlaf, Ernährung und Gewichtsmanagement erscheinen vielleicht alltäglich, werden jedoch durch zahlreiche medizinische Studien gestützt. Wenn eine sogenannte langlebigkeitsmedizinische Einrichtung vor allem teure Nahrungsergänzungsmittel verkauft, aber Blutdruck, Blutfette, körperliche Leistungsfähigkeit, Schlaf und Körperzusammensetzung nur selten beurteilt, sollten ihre Leistungen kritisch geprüft werden.

8. Gesundheitsmanagement mit Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM)

  Die Traditionelle Chinesische Medizin verfolgt seit jeher das Konzept der Gesundheitsvorsorge, „Krankheiten vorzubeugen, bevor sie entstehen“. Einige Krankenhäuser kombinieren TCM-Konstitutionsbewertung, Ernährungsregulation, chinesische Arzneimitteltherapie und Akupunktur mit modernen medizinischen Untersuchungen.

  Ein häufiges Beispiel für die TCM-Ernährungsregulation ist die sogenannte Medizinalkost (Yaoshan). Dabei werden der täglichen Ernährung Lebensmittel hinzugefügt, die sowohl arzneiliche als auch nahrhafte Wirkungen haben, etwa Jujube (rote Datteln), Weißdornfrüchte, Goji-Beeren, Yamswurzel und Lilienzwiebeln.

9. Welche langlebigkeitsmedizinischen Leistungen sind in China erhältlich?

  Wenn Sie für Langlebigkeitsmedizin und Gesundheitsmanagement nach China kommen, wird zunächst eine systematische körperliche Untersuchung durchgeführt. Danach erstellen die Ärztinnen und Ärzte auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse, Lebensgewohnheiten und weiterer Faktoren einen individuellen Behandlungs- und Gesundheitsmanagementplan.

  1. Durchführung von Blutuntersuchungen, bildgebenden Untersuchungen, kardiovaskulärer und metabolischer Beurteilung, Krebsrisikobewertung, Untersuchungen des Muskel-Skelett-Systems sowie körperlichen Funktionstests.
  2. Auswertung der Ergebnisse durch Fachärztinnen und Fachärzte aus Kardiologie, Endokrinologie, Geriatrie, Ernährungsmedizin, Sportmedizin, Gynäkologie oder anderen relevanten Fachbereichen.
  3. Erstellung eines persönlichen Gesundheitsmanagementplans, zum Beispiel Kontrolle der Blutfette, Gewichtsreduktion, Verbesserung der Insulinresistenz, Behandlung einer Schlafapnoe, Steigerung der Muskelkraft oder Durchführung weiterer Krebsfrüherkennungsuntersuchungen.
  4. Nach einigen Monaten oder nach einem Jahr erneute Beurteilung und Anpassung des Gesundheitsmanagementplans auf Grundlage der neuen Untersuchungsdaten.

  Ein Merkmal großer Krankenhäuser in China ist die starke Bündelung von Untersuchungsgeräten und Facharztressourcen. Internationale Patientinnen und Patienten können alle Untersuchungen innerhalb von nur einem halben bis zu einem ganzen Tag abschließen und sehr einfach die Einschätzungen verschiedener Fachärztinnen und Fachärzte einholen.